Bauwerk

 
Die Heiliggeistkirche bestimmt die Silhouette Heidelbergs und ist eines der drei Wahrzeichen der Touristenstadt. Die spätgotische Hallenkirche mit kathedralartigen Ausmaßen ist ein völlig singuläres Bauwerk von hohem künstlerischem Rang. Sie ist der bedeutendste Kirchenbau der Spätgotik zwischen Frankfurt a.M. und Straßburg.
 
In der Heiliggeistkirche wurde die Heidelberger Universität gegründet, die älteste Universität auf deutschem Boden. Als multifunktionaler Raum erbaut, besteht die Kirche aus drei Teilen: Der Chor ist königliche Grablege. Ein römisch-deutsches Königspaar und die pfälzischen Kurfürsten liegen dort begraben. Das Kirchenschiff war Markt- und Gemeindekirche. Von nationaler Bedeutung sind die Doppelemporen, die früher als universitärer Arbeitsplatz dienten. Dort war die Bibliotheca Palatina untergebracht, die die Funktion der Universitätsbibliothek erfüllte. Sie gilt als wichtigste Renaissance-Bibliothek des Abendlandes, wobei ihr Prachtstück das Weltdokumentenerbe Codex Manesse ist. Im 30jährigen Krieg wurde die Bibliothek Opfer kultureller Kriegsführung und ist bis heute als Beutekunst noch größtenteils in Rom.
 
Der gotische Vorgängerbau wurde ab 1398 durch die heutige Heiliggeistkirche ersetzt. Der Hallenumgangschor wurde vor 1410 fertiggestellt, das Langhaus 1441 vollendet. Der Turm wurde erst um 1515 gebaut.
Die Heiliggeistkirche ist 82 Meter hoch, 70 Meter lang und hat eine Breite von bis zu 22 Metern (Höhe: Kirchenschiff: 32 m; Unterer Turmumgang: 38 m; Welsche Haube: 51-61 m; Oberer Turmumgang: 61 m; Turmspitze: 77m; Wettergockel: 82m).
Der Umriss des gewaltigen, Chor und Langhaus zusammenfassenden Bauwerks wird nur auf der Nordseite von einer zweigeschossigen Sakristei mit Fürstenloge unterbrochen.
 
Im Glockenturm mit vier barocken Glocken befindet sich ein Wanderfalkenhorst.