Zeittafel
1239 Ersterwähnung einer romanische Stadtkirche "Zum Heiligen Geist"
Um 1300 Ersetzung durch frühgotische Kirche
1386 Gründung der Universität (im Vorgängerbau)
1398-1441 Erbauung der heutigen gotischen Kirche als Universitäts- und kurfürstliche Grabeskirche
durch König Ruprecht, Bibliotheca Palatina auf den Emporen
1518 Martin Luther besucht die Heiliggeistkirche
1546 Erster evangelischer Gottesdienst
1557 Ottheinrich führt die Reformation ein, Heiliggeist wird lutherisch
1559 Unter Friedrich III. wird die Kirche calvinistisch-reformiert
1563 Heidelberger Katechismus
1623 Verschleppung der Bibliotheca Palatina durch Tilly nach Rom
1693 Zerstörung der Kirche durch die Franzosen
1706 Mauer wird gebaut, als Simultankirche genutzt
1763 Mozart spielt auf der Heiliggeistorgel
1874 Die Altkatholiken nutzen den Chor als Kirche
1886 500. Universitätsjubiläum, Mauer wird ab- und wieder aufgebaut
1915-1943 Hermann Maas ist Heiliggeistpfarrer
1936 Mauer fällt, Kirche wird als Ganzes evangelisch
1936-1956 Bauhütte: Umgestaltung der Kirche
1986 Bibliotheca Palatina-Ausstellung zum 600. Universitätsjubiläum
Kurfürstliche Grabeskirche
Bereits 1239 wurde in einer Urkunde des Klosters Schönau bzgl. einer Ewig-Licht-Stiftung eine romanische Kirche "Zum Heiligen Geist" am Marktplatz erwähnt. Die heutige, gotische Heiliggeistkirche wurde 1398 – 1441 erbaut. Der Heilige Geist ist die Kraft und die Liebe Gottes, die in der Welt wirkt.
Die Goldene Bulle von 1356 regelte die Königswahl im römischen Reich. Der König wurde mit der Mehrheit der Stimmen der sieben Kurfürsten gewählt. Die wichtigste Rolle spielte dabei der pfälzische Kurfürst, denn er war Erztruchsess, gab als erster Nichtgeistlicher seine Stimme bei der Königswahl ab, war Reichsverweser bei Sedisvakanzen und der einziger Fürst, der über den König Recht sprach. Diese Privilegien schufen die Autorität der pfälzischen Kurfürsten, die aus Kleinheit des Territoriums kaum abzuleiten gewesen wäre. Sie machten die Kurpfalz bis zum 30jährigen Krieg zu einem politischen und geistigem Zentrum des römisch-deutschen Reiches.
1. Juli 1400: König Ruprecht (1398-1410) erwirkt von Papst Bonifatius IX. in der Bulle "motu proprio" die Befreiung der Heiliggeistkapelle aus dem Parochialverband mit der Peterskirche, erhebt sie zur Stiftskirche (mit einem Dekan) für die vorgesehene Anzahl von Kanonikern und stattet sie mit vier Pfründen aus. Damit wird die Heiliggeistkirche zur kirchenrechtlich selbständigen Pfarrkirche.
1. Juli 1400: König Ruprecht (1398-1410) erwirkt von Papst Bonifatius IX. in der Bulle "motu proprio" die Befreiung der Heiliggeistkapelle aus dem Parochialverband mit der Peterskirche, erhebt sie zur Stiftskirche (mit einem Dekan) für die vorgesehene Anzahl von Kanonikern und stattet sie mit vier Pfründen aus. Damit wird die Heiliggeistkirche zur kirchenrechtlich selbständigen Pfarrkirche.
Die Heiliggeistkirche diente als fürstliche Grablege. Die Kurfürsten sind heute beim Altar beigesetzt. Von den 54 kurfürstlichen Grabmalen ist nur noch die Grabplatte des Erbauers der Kirche, König Ruprecht, und seiner Frau Elisabeth von Hohenzollern erhalten. Die Grabplatte ist der obere Abschluss eines Tumbagrabmales. Die Inschrift lautet: "Rupert römischer König, dieses Chors und Collegs Gründer". Die Grabplatte zeigt ihn mit den königlichen Insignien: dem Zepter als Zeichen der Machtvollkommenheit und dem Reichsapfel als Zeichen der Weltherrschaft. In Wirklichkeit war seine Macht begrenzt. Ein Italienfeldzug zur Erlangung der Kaiserwürde geriet zum Desaster und erbrachte weder Kaiserkrone noch Beute. Bei seiner Rückkehr sang man auf den Straßen das Spottlied: "Oh, oh, der Göckelmann (Gaukler) ist gekommen, hat eine leere Tasche gebracht, das haben wir wohl vernommen". Ruprecht war der einzige König Heidelbergs, der länger als einen Winter regierte. Als Gegenkönig um Anerkennung ringend wurde er doppelt gekrönt: 1401 in Köln und 1407 in Aachen, am Grab Karls des Großen. Er starb 1410 und wurde im frisch fertiggestellten Chor der Heiliggeistkirche, unter dem Reichsadler an der Decke, beigesetzt. Zu Lebzeiten hatte er an der Kirche ein Stift gegründet, das dem Totengedenken seiner Familie gewidmet war und der Universität einen Mittelpunkt gab.
Beim pfälzischen Erbfolgekrieg (1693) wurde die Kirche von den Franzosen unter Ludwig XIV. in Brand gesteckt und die Gebeine der Kurfürsten auf den Markt geworfen. Später wurden sie in der wiederaufgebauten Kirche nochmals feierlich beigesetzt.
Universitätskirche
Die Heiliggeistkirche war Universitätskirche. Im Vorgängerbau wurde am 18. Oktober 1386 die Heidelberger Universität gegründet. Sie ist die älteste Universität auf deutschem Boden. Die Eröffnung geschah durch einen Festgottesdienst in der Kirche und durch drei Vorlesungen am folgenden Tag: Titusbrief, Physik von Aristoteles und Logik.
Die Heiliggeistkirche war Stiftskirche der Universität und Ort der Bibliothek. Bis ins 19. Jahrhundert blieb sie Universitätskirche, ihre Tür diente als Schwarzes Brett der Universität. Als Universitätskirche verkörperte sie die Verbindung von Glaube und Wissenschaft.
Die Heiliggeistkirche war Stiftskirche der Universität und Ort der Bibliothek. Bis ins 19. Jahrhundert blieb sie Universitätskirche, ihre Tür diente als Schwarzes Brett der Universität. Als Universitätskirche verkörperte sie die Verbindung von Glaube und Wissenschaft.
Bibliotheca Palatina
Die Bibliotheca Palatina, die sogenannte Mutter aller Bibliotheken, galt im 16. und 17. Jahrhundert als bedeutendste Büchersammlung des Abendlandes und als umfangreichster Hort protestantisch-theologischer Literatur. Sie befand sich hauptsächlich auf den Emporen der Heiliggeistkirche. Im 30jährigen Krieg eroberten die katholischen Truppen Tillys Heidelberg. Am 14.2.1623 wurde die Bibliotheca Palatina als Beutekunst in die Vatikanische Bibliothek transportiert.
1816 wurden durch Verhandlungen im Umfeld des Wiener Kongresses die 847 deutschen Handschriften nach Heidelberg zurückgegeben. Sie befinden sich heute in der Universitätsbibliothek. Dagegen lagern 2030 lateinische, 431 griechische und 432 hebräische Handschriften sowie rd. 13000 Druckschriften weiterhin in den Tresoren der Biblioteca Apostolica Vaticana. In einem Kooperationsprojekt wurden mittlerweile die deutschen, lateinischen und griechischen Handschriften digitalisiert und die Bibliotheca Palatina somit digital wiedervereinigt.
1816 wurden durch Verhandlungen im Umfeld des Wiener Kongresses die 847 deutschen Handschriften nach Heidelberg zurückgegeben. Sie befinden sich heute in der Universitätsbibliothek. Dagegen lagern 2030 lateinische, 431 griechische und 432 hebräische Handschriften sowie rd. 13000 Druckschriften weiterhin in den Tresoren der Biblioteca Apostolica Vaticana. In einem Kooperationsprojekt wurden mittlerweile die deutschen, lateinischen und griechischen Handschriften digitalisiert und die Bibliotheca Palatina somit digital wiedervereinigt.
Die Bibliotheca Palatina soll an ihrem Ursprungsort auf den Doppelemporen der Heiliggeistkirche durch eine Dauerausstellung digital und synästhetisch erlebbar zurückkehren.
Heidelberger Katechismus
Die Heiliggeistkirche ist der Geburtsort des Heidelberger Katechismus. 1563 entstand dort der Katechismus durch Zacharias Ursinus, einem Schüler Melanchthons, im Auftrag des Kurfürsten Friedrich III. Zu der Zeit stieg Heidelberg zum mondänen Zentrum der calvinistischen Welt auf, zum Genf des Nordens.
Der Heidelberger Katechismus ist weltweit die wichtigste Bekenntnisschrift der reformierten Kirche. Er wurde in über 40 Sprachen übersetzt und auf der Synode von Dordrecht (1619) zum Bekenntnis aller Reformierten erklärt.
Auf die Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, antwortet er: „Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre."
Pfälzische Erbfolgekrieg
Im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Heiliggeistkirche am 22. Mai 1693 zerstört. Französische Truppen eroberten Heidelberg, zerstörten das Schloss und plünderten die Stadt. In der Kirche schlossen die Soldaten Hunderte von Menschen ein, dann ging die Kirche in Flammen auf. Dem Inferno konnten die Eingeschlossenen nur dank des beherzten Einsatzes des jungen, reformierten Pfarrers Johann Daniel Schmidtmann entgehen, der die französischen Offiziere bewegte, die Türen zu öffnen. Nach Verlöschen des Brandes schändeten die Soldaten die Fürstengräber und raubten sie aus. Der Wiederaufbau der Kirche begann 1698 und dauerte bis 1705.
Mauer in der Kirche
In der Heiliggeistkirche wurde lange vor der Reformation bereits deutsch gepredigt. Obwohl Martin Luther im April 1518 die Heiliggeistkirche besuchte und in der Heidelberger Disputation seine 95 Thesen öffentlich verteidigte, konnte sich die Reformation zunächst in Heidelberg nicht durchsetzen. Der erste evangelische Gottesdienst wurde in der Heiliggeistkirche im Jahre 1546 gefeiert, aber erst Kurfürst Ottheinrich führte 1557 die Reformation offiziell ein. Die Heiliggeistkirche wurde lutherische Pfarrkirche.
Doch bereits sein Nachfolger Friedrich III. führte den reformierten Gottesdienst ein und verteidigte seinen Konfessionswechsel 1566 auf dem Augsburger Reichstag vor dem Kaiser erfolgreich. Er gab auch den Heidelberger Katechismus in Auftrag. Auf seine Anordnung gab es einen Bildersturm, bei dem Gemälde, Statuen, Hauptaltäre, Taufsteine und auch Orgeln in der Heiliggeistkirche entfernt oder zerstört wurden. Es war nur noch einstimmiges Psalmensingen erlaubt.
Fortan stritten verschiedene Konfessionen bis ins 20. Jahrhundert um die Kirche. Hin und her gerissen zwischen lutherischem, reformiertem, katholischem und altkatholischem Glauben wechselte die Kirche über zehnmal die Konfession.
Es waren Machtansprüche von Kurfürsten, die die Heiliggeistkirche 1706 in zwei Teile zerriss. Durch einen Dynastiewechsel wurden die katholischen Wittelsbacher pfälzische Kurfürsten und verordneten die Pfälzische Kirchenteilung, in deren Folge die Mauer gebaut wurde. Kurfürst Karl Philipp besetzte 1719 die Heiliggeistkirche mit Soldaten und ließ die Mauer niederreißen, denn er wollte die Heiliggeistkirche zu einem rein katholischen Gotteshaus machen. Die evangelischen Reichsstände schäumten, der Kaiser wurde eingeschaltet, und er zwang den Kurfürsten klein beizugeben, so dass die Mauer wieder hochgezogen wurde. 230 Jahre war die Kirche durch die Mauer in einen katholischen und einen evangelischen Kirchenraum gespalten und wurde als Simultankirche genutzt. Den Katholiken diente der Chorraum bis 1804 als Pfarrkirche, danach nur noch als Nebenkirche, ab 1874 diente er dann den Altkatholiken als Chorkirche. Das Langhaus war die Hauptkirche der Reformierten, ab 1821 der Unierten, denn in Baden schlossen sich die Reformierten und Lutherischen zu einer gemeinsamen unierten Landeskirche zusammen.
Zwar wurden die Trennmauer zum fünfhundertjährigen Universitätsjubiläum 1886 abgerissen, anschließend aber im aufgeheizten Klima des Kulturkampfes wieder aufgebaut. Erst am 24. Juni 1936 fiel die Trennmauer in der Heiliggeistkirche endgültig unter besonderem Engagement von Pfarrer Hermann Maas und der gesamte Kirchenraum wurde evangelisch.
Hermann Maas

1950 wurde er als erster Deutscher nach dem Krieg offiziell nach Jerusalem eingeladen, und 1967 wurde in Yad Vashem ein Baum der Gerechten für ihn gepflanzt. In der Heiliggeistkirche und in der Heidelberger Synagoge hängen Gedenktafeln für ihn.





