Kirchenraum

Architektur

Die spätgotische Heiliggeistkirche ist ein singuläres Bauwerk von hohem künsterlichen Rang und kombiniert einen Hallenumgangschor mit zwölf Fenstern mit einer dreischiffigen Emporenhalle von gleicher Höhe in Verbindung mit einem Westturm. 
Kennzeichnend ist der Kontrast zwischen Dunkelheit und Enge des Langhauses und Lichtdurchflutung und Weite des Hallenchores. Die zweite architektonische Besonderheit ist die Existenz von Emporen über den Seitenschiffen des Langhauses. Die Nordempore liegt höher als die Südempore, und die Seitenschiffe sind untypischerweise breiter als das Mittelschiff. Letzteres liegt daran, dass die hellen Emporen über den Seitenschiffen von Anfang an als Bibliotheksort vorgesehen waren. Der Einbau der Emporen führt zu einer merkwürdigen Lichtführung im Langhaus. Der Obergarden des hohen Mittelschiffes ist zwar nur indirekt beleuchtet, aber dennoch hell, während die Seitenschiffe durch die buntverglasten Fenster in einem Dämmerlicht liegen. Durch die Emporenöffnungen strömt das Licht herab, aus einer von unten unsichtbaren Lichtquelle. Dieser Beleuchtungsgegensatz entfaltet eine stimmungsvolle Wirkung im Langhaus.
 

Quelle: Dr. Manfred Schneider - eingebettet von ekihd.de

Vom Langhaus aus öffnet sich auch die Schönheit der gotischen Kirche: Der Chor erscheint unwirklich, seine Raumgrenzen sind nicht sichtbar. Nähert man sich dem Chorraum, hat man das Gefühl in eine unbegrenzte Weite zu treten. Von allen Seiten strömt die Lichtfülle in den Chor ein und hebt so anscheinend die Schwere der steinernen Architektur auf. Durch das dämmrige Langhaus tritt man in den strahlend hellen Chorraum, gleichsam in einen jenseitig entrückten Lichtraum. Mit diesem Weg haben die gotischen Baumeister die Via Sacra nachgebildet: Durch das dunkle Leben, symbolisiert durch das Langhaus, tritt man durch einen Triumpfbogen in das Himmlische Jerusalem, dafür steht der Chorraum mit seinen zwölf (Halb-)Säulen, die die zwölf Tore des himmlischen Jerusalems darstellen sollen.

Mauer

Langhaus mit Trennmauer

Quelle: Citykirche Heiliggeist - eingebettet von ekihd.de

Vier Konfessionen stritten von der Reformationszeit bis ins 20. Jahrhundert um die Kirche: die römisch-katholische, die alt-katholische, die lutherische und die reformiert-calvinistische Konfession. Die Heiliggeistkirche wechselte über zehnmal die Konfession.

Von 1706-1936 war die Kirche durch eine Trennmauer in zwei Kirchen geteilt, die simultan von der evangelischen Gemeinde (Langhaus) und der katholischen Gemeinde (Altarraum) genutzt wurden.
Die Mauer wurde 1886 im Rahmen des 500jährigen Jubiläums der Universität, das diese an ihrem Gründungsort feiern wollte, abgerissen. Im Klima des Kulturkampfes wurde von der römisch-katholischen Kirche vor Gericht erstritten, dass die Mauer wieder aufgebaut werde, was auch geschah.
Erst am 24.6.1936 fiel die Trennmauer endgültig. Ein großer Anteil am Mauerfall hatte der damalige Pfarrer Hermann Maas. Seitdem ist die gesamte Kirche (landeskirchlich) evangelisch.
 
Die alten konfessionellen Streitigkeiten sind heute längst überwunden. Als Zeichen der Verbundenheit feiern wir zusammen mit den anderen Kirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Heidelberg  regelmäßig eine ökumenische Mittagsandacht in der Heiliggeistkirche.

Gemälde

Quelle: Dr. Manfred Schneider - eingebettet von ekihd.de

In einer Deckenwölbung des Mittelschiffs sieht man das Gemälde „Engelskonzert“. Es ist eine Malerei, die um 1440 entstanden ist. Acht Engel mit verschiedenen Musikinstrumenten sind dargestellt. Ein Instrument stammt indes nicht aus dem Mittelalter. Während einer Restaurierung in den 1950er Jahren fügte der Heidelberger Maler Harry MacLean bei einem Engel ein Fagott als Erinnerung an die Gegenwart hinzu (Bild: Engel oben links). Engel sind auch heute unter uns, musizieren und behüten uns, so seine Botschaft.

 

Quelle: Dr. Manfred Schneider - eingebettet von ekihd.de

In dem Triumphbogen zwischen Langhaus und Chor sieht man die Malerei „Drei Männer im Feuerofen". Das Gemälde von Harry MacLean stammt aus den 1950er Jahren. Die drei Männer im Feuerofen ist eine Erzählung aus dem Alten Testament in der Bibel. Ein König wirft die drei Männer in einen Feuerofen, doch das Feuer versengt noch nicht einmal ihre Kleidung. Die Männer werden unverletzt aus dem Ofen befreit. Daraufhin kommt der König zum Glauben an Gott. Sie finden die Erzählung im Danielbuch, Kapitel 3.

Prinzipalien und Ausstattung

Von der barocken Ausstattung ist heute nur noch wenig in der Kirche erhalten. Als die Altkatholiken 1936 in die Erlöserkirche umziehen, nehmen sie fast die gesamte Einrichtung des Heiliggeistchors in ihre neue Kirche mit. Nicht mitnehmen können die Altkatholiken die Kanzel, die um eine Säule herum gebaut ist. Sie ist heute die auffälligste Erinnerung an den einst katholischen Chorraum. 1731 ist sie von dem Heidelberger Schreinermeister Mathias Nessler hergestellt worden. Sie ist typisch für das jesuitische Bildprogramm der Gegenreformation: Auf dem Schalldeckel schreitet der auferstandene Christus mit der Siegeslanze, das Monogramm der Jesuiten befindet an der Kanzelrückwand und ihre Basis ist der Name der Maria am Kanzelfuß.
 
Detail Altar

Quelle: Dr. Manfred Schneider - eingebettet von ekihd.de

Altar und Taufstein stammen vom Künstler Edzard Hobbing.
Der Altar ist aus dem Jahr 1949, der Taufstein dagegen erst von 1967.
Die schwere Sandsteinaltarplatte wird von vier knienden Engeln getragen. Der Altar symbolisiert die alttestamentliche Bundeslade.
Den Taufstein schmücken drei Szenen aus dem Neuen Testament: Pfingsten, die Kindersegnung und die Taufe Jesu.
 
Der bronzene Osterleuchter ist vom Schwarzwälder Künstler Emil Homolka. Um den gitterartigen unteren Teil des Leuchters wandeln die Frauen, die am Ostermorgen das leere Grab entdecken und dem auferstandenen Jesu begegnen. In jeder Osternacht wird eine neue Kerze angezündet.
 
Im Seitenschiff steht der Epiphaniasleuchter des Heidelberger Kunstschmiedes Dieter Knörzer. Er erinnert an die Weltkugel und man kann brennende Kerzen darauf stellen.

Orgel

Quelle: Dr. Manfred Schneider - eingebettet von ekihd.de

Die große Chororgel ist die 13. Orgel, die die Heiliggeistkirche mit Pfeiffenklängen erfüllt. Es handelt sich um eine große Steinmeyer/Lenter-Orgel.
 
Auf den verschiedenen Heiliggeistorgeln haben berühmte Musiker gespielt, unter ihnen das Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart, Mendelsohn Bartholdy, Max Reger und Albert Schweitzer.