Pastorale Entwicklung - Leerstelle als Kreatives Konzept

Die Kirchenentwicklung in Heidelberg lässt sich nicht von der aktuellen Gesamtsituation von Religion und Kirche lösen. Heiliggeist wird sich nicht gegen den Trend einer zunehmenden Säkularisierung und Pluralisierung entwickeln. Säkularisierung meint nicht nur, dass Religion weniger gefragt ist, sondern dass sie eine Option unter vielen sein wird.
 
Der Wunsch und die Strategie Kirche zu entwickeln muss um die Notwendigkeit ergänzt werden, Veränderungen auszuhalten und Vertrautes freizugeben.
 
Damit Entwicklungen und Erneuerungen geschehen können geht weniger um das aktive Machen, sondern um die Achtsamkeit für das was sich am Ort und im Umfeld ereignet und wo sich Hinweise des (Heiligen-) Geistes in unserer Welt wahrnehmen und entdecken lassen.
 
Heiliggeist als Kirchengebäude bildet eine (Stadt-) Lücke, eine Leerstelle des Unverzweckten, der Gratuität im konsumorientierten Innenstadtgefüge der Heidelberger Altstadt. Diese Bedingungslosigkeit sollte inhaltlicher Schwerpunkt der Innenstadtpastorale sein. In Heiliggeist sollte ein kreativer Prozess des produktiven Freigebens entstehen. Die Kirche für einen diakonischen und kulturellen Aneignungsprozess anzubieten ist das Gegenteil von aufgeben oder preisgeben. Die Kirche ist neben dem Gottesdienstort der Kirchengemeinde ein weithin sichtbarer Ort pastoraler Gastfreundschaft für alle. Die Unfestgelegtheit der Handlungsformen ermöglicht ein Neben- und Miteinander von Liturgie, Kirchenmusik, Veranstaltungen, Ausstellungen und konkreten diakonischen Aufgaben. Um nicht der Gefahr der Beliebigkeit zu erliegen darf Heiliggeist nicht ein weiterer Veranstaltungsort oder Hotspot in der Stadt werden. Heiliggeist sollte zum pastoral kuratierten Raum werden, der nicht allein für kirchliche Aneignungen offen ist, sondern sich auch für andere, sorgfältig ausgewährte Formen öffnet, die eine gemeinsame pastorale Spur verbinden.
 
Die Öffnung der Heiliggeistkirche sollte in einen Beteiligungsprozess eingebunden werden um neue Möglichkeiten der Raumaneignung für die Stadtgesellschaft zu eröffnet. Die Ideen des Beteiligungsprozesses können aufzeigen, wie sich die Menschen vor Ort die Kirche für ihre Art der Lebens- und Weltgestaltung aneignen möchten. Dabei muss Heiliggeist in das pastorale Konzept der evangelischen Stadtkirche eingebunden sein. Als komplementäre Ergänzungen kann es für die Formate Platz bieten, die in den territorialen Gemeinden nicht umgesetzt werden können. Die Heiliggeist - Kirche steht nicht für einen pastoralen Schwerpunkt, sondern für seine Offenheit nach Innen und nach Außen in die Stadtgesellschaft und bietet einen Möglichkeitsraum für Dialog und Vernetzung.
 
Um das zu erreichen müssen auf dem Fundament der gemeinsamen Geschichte und Tradition Veränderungen zugelassen und ermöglicht werden um die Kirche als Ort lebendigen christlichen Glaubens zu erhalten und kein Museum christlich geprägter Kultur zu schaffen. Heiliggeist soll ein Gemeinschaftsort der christlichen und weltlichen Stadtgesellschaft werden. Wenn dieser Erneuerungsprozess gelingt, kann die evangelische Stadtkirche in Heidelberg auf eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre eine Antwort finden: Wie können die christlichen Kirchen auch künftig gewährleisten, dass das Evangelium in unserer Gesellschaft präsent ist und die Kirche als Gemeinschaft im Glauben lebt und wächst?