Bauliche Maßnahmen

Durch vier sensible Eingriffe in den historischen Bestand wird die bauliche Grundlage für die zukünftige Kirchenentwicklung und den Möglichkeitsraum Heiliggeist geschaffen.
 
  1. Erstellung eines durchgehenden Fußbodenniveaus im Mittelschiff und
  2. Erstellung eines Verbindungstegs zwischen den Emporen Süd und Nord durch die neue
  3. Einbau eines Aufzugs als Ersatz der südlichen Wendeltreppe, barrierefreie Erschließung der Ausstellungsemporen und Fortschreibung des Brandschutzkonzepts.
  4. Erstellung zusätzlicher Lagerflächen im Dachraum durch Verlängerung des neuen Aufzugs bis in das Dach.

1. Barrierefreier Möglichkeitsraum

Der Innenraum der Heiliggeist Kirche wird auf das wesentliche reduziert. Alle Höhenunterschiede, das Altarpodest, Stufen und Einbauten im Boden werden zurückgebaut, wodurch ein durchgehendes Bodenniveau im Langhaus und Chor entsteht. Nur zwei Stufen am Übergang von Langhaus und Chor erinnert an die vergangene Scheidemauer der Teilung.
 
Durch diese barrierefreien Flächen im Langhaus und Chor entstehen neue Möglichkeiten der Aneignung. Die gewachsenen Hierarchien innerhalb der Kirche fallen im baulichen und pastoralen Sinn. Die Kirche und die Besucher begegnen sich auf Augenhöhe. Neue Gottesdienstformen, Veranstaltungsformate und Ausstellungskonzepte werden auf den ebenen Flächen möglich.
 
Dafür wird der Natursteinboden im Mittelschiff und unter der Orgelempore um ca. 24cm auf den Zustand vor 1947 angehoben und bis in den Außenbereich des Hauptportals verlängert. Die geneigte Fußbodenzone im Bereich des Verkaufsstandes und des südlichen Zugangs entfällt und wird ebenfalls auf das neue Eingangsniveau angepasst. Die Anhebung des Bodenniveaus ist durch eine Fußbodenheizung vorgesehen. Der bestehende Oberbelag aus Schilfsandstein wird nach der Anhebung des Bodenniveaus wieder eingebaut.
 
Nur im Bereich des Übergangs zwischen Seitenschiffen und Chor sind noch kurze Rampen für einen barrierefreien Übergang erforderlich. Alle anderen Innenraumflächen werden für eine gleichberechtigte Teilhabe aller Besucher barrierefrei zugänglich gemacht. Der barrierefreie Zugang erfolgt über das Hauptportal rampenfrei von der Markstraße. Der südliche Nebeneingang im Chor bildet einen barrierefreien Rettungsweg. Durch den neu geplanten Aufzug im Bereich der südlichen Erschließungstreppe ist ein barrierefreier Zugang auf die Emporen und zur Orgel gewährleistet.

2. Verbindungssteg Emporen

Ein Verbindungsteg zwischen den beiden Emporen bestand in der Vergangenheit bereits für eine temporäre Ausstellung und soll wieder dauerhaft hergestellt werden. Die Vorgabe des Orgelsachverständigen ermöglichen die Querung der Orgel im mittleren Drittel der Orgeleinbauten. Durch den Verbindungsteg verändert sich die Flucht und Rettungswegsituation im Bereich der Emporen grundlegend, da durch die Querung zusätzliche Fluchtwegmöglichkeiten genutzt werden können. Durch den Verbindungssteg ist eine barrierefreie Verbindung zwischen den beiden Ausstellungsflächen gewährleistet.

3. Aufzug im Innenraum als Ersatz für Wendeltreppe.

In den Ausschreibungsunterlagen wird die Möglichkeit eines Aufzugs als Ersatz für die südliche Wendeltreppe ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Ausschreibung war diese Aussage richtig und nachvollziehbar, da jede Empore für sich einen ersten und zweiten Rettungsweg für die Ausstellungnutzung benötigt. Durch die Möglichkeit des Verbindungsstegs im Bereich der Orgel hat sich die Ausgangssituation grundlegend geändert. In Zusammenarbeit mit einem namenhaften Brandschutzplaner wurde das Brandschutzkonzept fortgeschrieben und der Einbau eines Evakuierungsaufzug im Innenraum der Kirche ermöglicht. Die beiden Ausstellungsemporen können zusammen von 90 Personen (z.Bsp. 3 Schulklassen) gleichzeitig besucht werden. Die nördliche Wendeltreppe ist im Bestand für 125 Personen ausgelegt. Zukünftig soll dieser erste Rettungsweg mit der reduzierten Anzahl von 90 Personen genutzt werden. Gleichzeitig stehen die beiden im Brandschutzgutachten aufgeführten 2. Rettungswege mit direktem Außenzugang zur Verfügung, wodurch sich im Brandfall eine Verteilung von je 30 Personen auf die drei baulichen Rettungswege ergibt. Zusätzlich steht eine Evakuierungsaufzug der Stufe C zur Verfügung, der als barrierefreier Rettungsweg über 60 Minuten weiterbetrieben werden kann und über eine Luftspülung der Kabine, einem direkten Außenzugang und einem feuerbeständigen Fahrschacht verfügt. Durch diese Fortschreibung des Brandschutzkonzepts kann eine Bestandstreppe aus den 60er Jahren mit einem Aufzug ersetzt werden und die Ausstellungsemporen der Heiliggeist Kirche können ohne Anbauten im Außenbereich barrierefrei erschlossen werden.

4. Vergrößerung Lagerräume und Nebennutzflächen

Im aktuellen Nutzungskonzept der Heiliggeistkirche steht der ehemalige Keller im nördlichen Seitenschiff mit Hebebühne als Lager zur Verfügung. Die Lagermöglichkeit sind nicht ausreichend, um die Kirchenstühle und Konzertpodeste bedarfsgerecht einlagern zu können. Der Kirchenraum kann nicht ganz freigeräumt werden und für große Veranstaltungen müssen Stühle mit Anhängern aus externen Abstellräumen in die Kirche gebracht werden.
 
Neben den Lagerflächen im Keller des Seitenschiffs können durch die Erweiterung des neuen Aufzugs bis in den Dachraum neue großflächige Lagermöglichkeiten im Dachgeschoss der Kirche erschlossen werden. Neben dem Turmzimmer sind auch feuerbeständige Einbauten innerhalb der Dachstuhlkonstruktion als feuersichere Lagerorte denkbar. Durch diese Option neuer Lagermöglichkeit in der Dachebene kann der Kirchenraum im Alltagsbetrieb bis auf die Stühle im Chor freigeräumt werden und bildet so die im pastoralen Konzept beschriebene Leerstelle die zur Aneignung neuer kirchlicher Nutzung offen ist. Der Kirchenraum ist unverstellt und ohne Einbauten und Stühle erlebbar und bietet eine Offenheit und Flexibilität nach Innen und Außen, die für einen pastoralen Möglichkeitsraum benötigt wird.